Die Holzernte als Teil der multifunktionalen Waldwirtschaft bewegt sich im Spannungsfeld zwischen ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Anforderungen. Alle Beteiligten sind zu einer bedarfsgerechten Waldnutzung verpflichtet. Gleichzeitig gewinnen umweltschonende Produktion, transparente Nachverfolgbarkeit und die effiziente Bereitstellung des Rohstoffs Holz weiter an Bedeutung. Im Vorgängervorhaben Smart Forestry wurden hierfür erstmals clusterübergreifende Ansätze entwickelt, mit denen alle Akteure entlang der Holzernte- und -logistikkette auf Grundlage Digitaler Zwillinge dezentral miteinander vernetzt werden können. Die Daten bleiben dabei bei ihren Eigentümern: Statt sie in eine zentrale Cloud hochzuladen, werden sie gezielt und Ende-zu-Ende-verschlüsselt direkt zwischen den Beteiligten ausgetauscht. Die prototypische Umsetzung hat gezeigt, dass eine durchgängige digitale Vernetzung vom Wald bis ins Werk technisch möglich und praxistauglich ist.
Ziel des Verbundvorhabens Smart Forestry Plus ist es, die Konzepte, Technologien und Demonstratoren aus Smart Forestry weiterzuentwickeln, zu optimieren und für den Praxiseinsatz zu stabilisieren. Der bestehende Forschungsprototyp soll zu einem Minimum Viable Product auf Technology Readiness Level (TRL) 7 weiterentwickelt werden, also zur Demonstration im realen Einsatz. Es soll die relevanten Prozesse der Holzernte, Holzbereitstellung und Holzlogistik unterstützen. Dazu zählen hochmechanisierte, motormanuelle und kombinierte Ernteverfahren ebenso wie die Bereitstellung frei Werk und frei Waldstraße. Über Digitale Zwillinge, Wald-und-Holz-4.0-Dinge und die Smart Systems Service Infrastructure (S³I) werden Waldbesitzer, Forstunternehmen, Maschinen, Speditionen und Holzabnehmer „auf Augenhöhe“ vernetzt.
Ein besonderer Fokus von Smart Forestry Plus liegt auf der praktischen Erprobung und Skalierung des Ansatzes. Neben der Weiterentwicklung der Vernetzungsinfrastruktur und der Standardisierung von Schnittstellen gemeinsam mit der Branche werden insbesondere folgende Bausteine weiter ausgearbeitet und in drei Iterationen von Praxistests untersucht: das Vendor-managed Inventory (VMI, lieferantengesteuerte Bestandsführung beim Holzabnehmer), der Frei-Waldstraße-Prozess, die Smarte Motorsäge für die motormanuelle Holzernte sowie die lokale Vernetzung im Wald. Damit schafft Smart Forestry Plus die technischen und organisatorischen Grundlagen für einen späteren breiten Einsatz des Smart-Forestry-Ansatzes im Cluster Wald und Holz.
Mitmachen
Sie sind Waldbesitzer, Forstunternehmer, Spediteur oder Holzabnehmer, oder Sie entwickeln Maschinen, Geräte oder Software für die Forst- und Holzwirtschaft? Sie gleichen Auftrags-, Produktions- und Lieferdaten heute noch per Telefon, E-Mail oder Papier ab? Sie möchten wissen, was im Wald passiert, ohne wochenlang auf Rückmeldungen zu warten? Oder Sie suchen einen herstellerunabhängigen Weg, Ihre Systeme mit denen Ihrer Partner zu verbinden? Dann treten Sie mit uns in Kontakt!
Sie können sich ganz unterschiedlich einbringen: im Gespräch über Ihre Abläufe, bei einem gemeinsamen Praxistest im Hieb, beim Transport oder am Werkseingang, im forstlichen Beirat oder bei der Standardisierung der Schnittstellen. Als assoziierter Partner gehen Sie keine förderrechtlichen Verpflichtungen ein. Sie erhalten frühzeitig Einblick in die Ergebnisse und gestalten den künftigen Branchenstandard mit.
Smart Forestry Plus ist ein Verbundvorhaben der Partner Institut für Mensch-Maschine-Interaktion (MMI) der RWTH Aachen University (Konsortialführung), iFOS GmbH, Bayerische Staatsforsten AöR (BaySF), Hohenloher Spezial-Maschinenbau GmbH (HSM), Wahlers Forsttechnik GmbH & Co. KG, S.D. Albert Prinz von Thurn und Taxis, Kleinheinz Transport & Logistik GmbH sowie Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e. V. (KWF). Das Vorhaben wird von zahlreichen assoziierten Partnern aus Forstwirtschaft, Holzindustrie, Logistik, Maschinenbau, Softwareentwicklung, Forschung und Verbänden unterstützt.
Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Martin Hoppen
Abteilungsleiter Umwelt und Digitalisierung
Institut für Mensch-Maschine-Interaktion (MMI) der RWTH Aachen University
E-Mail: hoppen@mmi.rwth-aachen.de



